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Deutscher Kommisar Wallander ermittelt in Frankfurt

Jan Seghers präsentiert seinen neuen Roman "Die Braut im Schnee"

Sein neuer Fall nimmt Kriminalkommisar Robert Marthaler voll in Beschlag. Eine junge Frau wurde auf brutale Art und Weise ermordet. Vom Täter fehlt jede Spur. Für den Ermittler gilt nun wieder das, was bei jedem neuen Fall eintritt: "Die Privatperson Robert Marthaler hörte auf zu existieren. Übrig blieb ein Ermittler, dessen Wahrnehmung nur noch auf den Täter fixiert war." Dass das Opfer vor seinem Tod durch ein Martyrium musste, macht die Polizisten fassungslos. Der Blick hinter die Kulisse der Toten offenbart, dass sie einige Geheimnisse hatte. Als plötzlich eine zweite Frau ermordet wird, ist klar, dass nun ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt. Die Ermittlungen nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass Marthaler vergisst, seine nach drei Jahren aus Madrid zurückkehrende Freundin Tereza am Flughafen abzuholen. Zu den beruflichen Schwierigkeiten kommen nun auch noch private hinzu. Üblerweise legt er sich dann noch mit seinem Chef an. Die Zeit wird immer knapper und schließlich läuft alles auf ein überraschendes Herzschlagfinale hinaus.

Wer erfahrener Fan des Kommisar Wallander von Henning Mankell ist, wird gleich bemerken, dass es deutliche Parallelen zwischen den beiden Romanfiguren gibt. Beide lieben klassische Musik und gutes Essen, beide haben gelegentliche gesundheitliche Probleme bzw. Probleme mit Frauen. Nicht alltägliche Morde und auf eigene Faust ermittelnde Beamte sind weitere Schnittpunkte, die einen nach den ersten Seiten doch eher zu dem Eindruck kommen zu lassen, da wäre ein deutscher Kommisar Wallander in Frankfurt unterwegs. Mit der Zeit jedoch gelingt es dem Autoren Jan Seghers dem Plot die erhoffte Eigenständigkeit zu geben. Hier kommt besonders die Metropole Frankfurt am Main zur Geltung. Sie schafft den Hintergrund für einen guten Krimi, der im Laufe der Zeit immer mehr an Spannung gewinnt und in einem wirklich überraschenden Ende mündet.

Nach seinem Erstlingswerk "Ein allzu schönes Mädchen" ist "Die Braut im Schnee" Seghers zweiter Kriminalroman. Im wirklichen Leben heißt er Matthias Altenburg und ist Schriftsteller, Reporter, Kritiker und Essayist. Aus Bewunderung für Henning Mankell legte er sich das schwedische Pseudonym zu. Es ist erfreulich, dass er mit seinem Vorbild mithalten kann. Profilstarke Figuren und eine gelungene Dramaturgie mit eingestreuten Ablenkungsmanövern und Verschnaufpausen im Katz- und Mausspiel machen dieses Buch zu einer tollen Lektüre im manchmal nicht ganz so spannenden Alltag. -mat

Die Braut im Schnee; September 2005, 448 Seiten, Wunderlich im Rowohlt, ISBN 3-8052-0808-1.

 

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