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Ganz unaufgeregt ganz aufregende Dinge erzählt

Noah Gordons "Der Katalane" in der Club-Premiere erschienen - Ein Wohlfühlbuch der besonderen Art

Von Kurt Claus

Wann ist ein Buch gut? Darüber kann es eigentlich nur ganz subjektive Meinungen geben. Der Geschmack ist zum Glück verschieden. Der eine Leser mag Historisches, der andere Zukunftsromane, wieder andere bevorzugen Kriminalgeschichten und manche tauchen gerne ein in romantische Liebesgeschichten. Aber ein Buch ist immer dann gut, wenn der Leser schon bei den ersten Seiten eintaucht in die Geschichte, nicht mehr nur ein Betrachter von Außen ist, sondern von den Sätzen mitgerissen wird und wie ein stiller Beobachter in der Handlung selbst dabei ist.

Noah Gordons Alterswerk "Der Katalane" ist solch ein Buch. Die Figur des Josep Alvarez ist derart einfühlsam beschrieben, dass sie dem Leser sofort nahe ist, er ihn auf den 473 Seiten als guten Bekannten begleitet. In einer starken Sprache ohne Schnörkelei erzählt Gordon ganz unaufgeregt ganz aufregende Dinge im Spanien des 19. Jahrhunderts zur Zeit der Karlistenkriege. Der arbeitswillige Josep als zweitgeborener Sohn eines Weinbauern ohne Möglichkeit auf das Erbe der Bodega, schließt sich den Soldaten an, die in seinem Dorf rekrutiert werden und wird dabei Zeuge, wie ein Mordanschlag auf den spanischen Premier Juan Prim y Prats verübt wird und danach alle Beteiligten ebenfalls ermordet werden. Alle seine Freunde aus dem Dorf sind tot, nur er kann nach Südfrankreich ins Languedoc fliehen.

Dort erlernt er auf einem Gut den richtigen Weinbau und als sein Vater stirbt, kehrt er nach vier Jahren zurück mit dem Traum, ähnlich guten Wein machen zu wollen. Sein Bruder ist froh, ihm den herunter gekommenen Hof verkaufen zu können und Josep macht sich ans Werk. Josep räumt auf, schneidet die Reben, jätet Unkraut und vergisst darüber richtig zu essen. Doch wenn er dann auf Seite 217 Knoblauch, Karotten, Zwiebel und scharfe Paprika einkauft, Olivenöl und Rotwein aufsetzt und den gekauften Hasen vierteilt, ihn mit dem Gemüse in den Sud gibt und auf kleinem Feuer Stunden lang schmoren lässt, verteilen sich die Aromen nicht nur in seiner Küche, sondern strömen auch durch die Seiten des Buches. Man sieht hautnah den Turmbauern beim Training zu, riecht den Schweiß ihrer Bemühungen und sieht sich selbst auf der schwankenden, aus Menschenleibern bestehenden, dem Himmel entgegenstrebenden Formation.

Der Leser riecht die im Sommer verbrannte katalanische Erde, das Holz beim Fassbauer und auch, dass Josep vor lauter Arbeit nicht dazu gekommen ist, sich im Fluss zu waschen. Joseps ganz alltägliche Arbeiten sind so plastisch beschrieben, dass auf Effekthascherei verzichtet werden konnte. Das Leben in dem kleinen spanischen Dorf verläuft ohne größere Konflikte, die politischen Ereignisse im Land greifen nur am Rande in den dörflichen Prozess über. Von reißerischen historischen Action-Szenen will Gordon nichts wissen und das ist gut so. Der Versuch des kleinen Weinbauers in Katalonien, spanischen trinkbaren Wein statt nur Essig produzieren zu wollen, ist spannend und handlungsintensiv genug.

Der dörfliche Alltag, die Mühen der Arbeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Zuneigung zu Maria del Mar und ihrem gehbehinderten Sohn sind so packend geschildert, dass das Buch in einem Rutsch gelesen war. Mit ein Verdienst von Klaus Berr, der den Roman aus dem amerikanischen Englisch übersetzt hat, denn er verstand es meisterhaft, auch auf die kleinen Nuancen zu achten. Ein Buch, das mit einem Glas trockenen Rotwein und der Vorfreude auf ein in Rebensaft geschmortem Kaninchen mit viel Koblauch zu einem Wohlfühlbuch wird. Aber wie schon erwähnt: Alles ist Geschmackssache. Wohl bekomm’s.

Noah Gordon: "Der Katalane", 2008, Club-Premiere, im August im Karl-Blessing-Verlag, 496 Seiten, gebunden, hochwertiger Schutzumschlag, farbiges Vorsatzpapier, Leseband, 18,95 Euro.

 

 

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